caldera (2026)

Während ihrer immersiven Arbeit caldera hatte Anna Ohlmann in ihren begehbaren Innenraum eingeladen. Wandzeichnungen, ein mehrstimmiges Hörstück, zwei Videoprojektionen und in zuweilen unregelmäßigen Abständen gespielte live-Klänge am Saxophon interagierten situativ untereinander sowie mit den anwesenden Besucher:innen.
Anna Ohlmann macht in caldera ihre künstlerische wie philosophische Recherche auf ihre initiale Frage »wo bin ich?« in Bild, Klang und Wort sinnlich erlebbar.
Letztlich schließt sich jedoch keine Antwort daran an, sondern weitere Fragen, unter anderem »was geschieht«.
caldera war von Anna Ohlmann konzipiert als Abschlussarbeit im Fachbereich Zeichnung an der Freien Kunstakademie Nürtingen und fand vom 24. bis 30. Juli 2026 dort statt.
Der Titel »caldera«, spanisch ‚Kessel‘, beschreibt in der Geologie eine kesselförmige Struktur vulkanischen Urspungs und verweist zunächst metaphorisch auf die künstlerische Arbeitsweise von Anna Ohlmann.
Was passiert vor, während und nach einem Vulkanausbruch? Das, was im eignen mentalen und emotionalen Inneren in Bewegung ist, kommt im Prozess des Zeichnens an die Oberfläche, ähnlich einem Vulkanausbruch. Erlebtes, flüchtig Wahrgenommenes, unbewusste Erinnerungen, Intuitionen, die sich der Sprache entziehen, zeichnet die Künstlerin an die Innenwand ihres Ateliers. Dabei verknüpft sie diese im Zeichnen rhizomartig, woraus sich neue Bild- und Sinnzusammenhänge ergeben.
Foto rechts: Eröffnungsperformance Juli 2026

In caldera wichtig sind drei Grundfragen innerhalb der Ausgangsfrage „wo bin ich“, nach der sich Anna Ohlmann auf eine künstlerische Suche gemacht hat: Erstens die Frage nach der eigenen ideellen und auch sozialen und planetarischen Verortung, zweitens das Thema des Fremd-Seins und damit des Eindringens dieses Fremd-Seins in einen spezifischen Raum, sowie drittens die Frage, nach dem, was gegenwärtig in der Jetztzeit in einer Situation an einem Ort live synchron passiert.
Anna Ohlmann spielt in ihrer Abschlussarbeit caldera mit dem Wechsel zwischen Außen- und Innenraum, und mit dem zwischen individueller innerer und äußerer Realität. Diese mehrschichtigen Ebenen spiegeln die verschiedenen künstlerischen Medien wieder:
Die Besucher haben die individuelle Option, ein vierstimmiges Hörstück mit eigenen Texten, verknüpft mit den Wandzeichnungen, über verschiedene selbst wählbare Kanäle über Funkkopfhörer hören, während sie im Ausstellungsraum die Wandzeichnungen betrachten. Die Künstlerin spielte in unregelmäßigen Abständen Live-Klänge am Altsaxophon im Raum.
Die Arbeit caldera lebt schließlich mit den Besuchern, die die Caldera, metaphorisch stehend für das Atelier, von außen besuchen, um mit dem dortigen Innenraum in lebendige Verbindung treten – zusammen mit der Künstlerin.




Hörstück caldera
Komposition, Regie, Saxophon, Synthesizer: Anna Ohlmann
Sprecher: Anna Ohlmann, aNDRA Beri, Roland Altenburger, Siegmar Siegel
Ton und Technik: Niels Ott
Länge: 13’37
Aufgenommen Juli 2026
Das Audio des Hörstücks sende ich gerne auf Anfrage zu.